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9 Dezember 2021

23. Ukraine-Frühstücksgespräch: Welche Impulse setzt die Bodenreform?

Über 60 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets sind landwirtschaftliche Flächen. Doch ein Großteil der Böden stand seit 2001 unter einem Moratorium und konnte nicht gehandelt werden. Erst im Juli dieses Jahres wurde es aufgehoben und es wurde für ukrainische Bürger:innen möglich, mit Ackerland zu handeln. Welche Auswirkungen die Bodenreform für Landbesitzer:innen und Landwirt:innen hat, war Thema unseres Ukraine-Frühstücksgesprächs. 

Erste empirische Befunde zur Situation von Landbesitzer:innen bot dabei eine Studie, die am Centre for Applied Research (Kyjiw) und mit Unterstützung der Konrad-Adenauer-Stiftung entstanden ist. Die Kernaussagen der Studie wurden bei der Veranstaltung vorgestellt. 

Die Umfragen unter Landbesitzer:innen zeigen unter anderem, dass ein Mangel an fachlicher Information zur Entwicklung des Bodenmarktes vorhanden ist. So griffen weniger als 7% der Befragten auf den Rat von Expert:innen zurück, wenn es um die Schätzung des Werts ihrer Flächen ging. Der Großteil verließ sich auf seine eigene Einschätzung (40 %) oder zog Nachbarn und Bekannte zu Rate (37 %, mehrere Nennungen möglich). Auch sei die Informationskampagne der Regierung zur Bodenreform nicht ausreichend und leide in Teilen an fehlendem Vertrauen in der Bevölkerung, waren sich die Experten einig.  

Für kleinere landwirtschaftliche Betriebe bietet die Reform die Möglichkeit, Land als Sicherheit für Kredite zu nutzen und damit das Kapital für die Modernisierung der eigenen Höfe aufzubringen. Ab dem Jahr 2024 können juristische Personen aus der Ukraine Flächen erwerben. Dies wird sich aller Voraussicht nach positiv auf die Belebung des Bodenmarktes und die Bodenpreise auswirken. Vor diesem Hintergrund müsse jedoch weiter untersucht werden, welche Impulse die Bodenreform bei Landwirt:innen zum Verkauf ihrer Flächen setze, merkte ein Diskutant an. Denn die Landflucht sei insbesondere mit Blick auf den Generationswechsel eine große Herausforderung in der Ukraine. 

Natürlich stand beim Ukraine-Frühstücksgespräch auch die Frage im Raum, wie Deutschland und die europäischen Partner diesen Prozess begleiten können. Ein Experte wies nachdrücklich darauf hin, dass die Investition mit dem größten und nachhaltigsten Effekt in der Unterstützung von Personal und Fachkompetenzen liege: Regierungsinstitutionen und die Forschungs-Community müssten Fachpersonal ausbilden und halten um ein institutionelles Gedächtnis zu entwickeln.  

Lesen Sie hier die Studie des Centre for Applied Research (CPD, Kyjiw). 

Das 23. Ukraine-Frühstücksgespräch fand unter dem Titel „Bodenreform in der Ukraine: Neue Impulse für Landwirtschaft und Grundeigentümer“ in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung statt. Bruno Hamm-Pütt von der Konrad-Adenauer-Stiftung sprach ein Grußwort. Unsere Referenten waren Andriy Karakuts vom Centre for Applied Research (CPD, Kyjiw) sowie Oleg Nivievskyi und Roman Neyter von der Kyiv School of Economics (KSE). Moderiert wurde die Veranstaltung von unserer Kollegin Ljudmyla Melnyk. 

Die Ukraine-Frühstücksgespräche finden im Rahmen des Projektes „German-Ukrainian Researchers Network“ (GURN 2) statt und werden vom Auswärtigen Amt gefördert. 

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